Nina Fischer & Maroan el Sani 
„Freedom of Movement“ 2019

Fischer & el Sani, Freedom of Movement, 2019, HD Video, 29 Min.,  © Fischer & el Sani und VG Bild-Kunst, Bonn 2021

 

Der Film bezieht sich auf den ersten Olympia-Sieg eines Schwarzafrikaners 1960 in Rom. Damals war der Äthiopier Abebe Bikila barfuß einen Marathon gelaufen. Auch deshalb wurde er zur Sportlegende sowie zum Symbol eines sich selbst vom Kolonialismus befreienden Afrikas. Fischer & el Sani haben diesen weitgehend in Vergessenheit geratenen Sieg durch einen zeitgenössischen Athleten nachlaufen lassen, ebenfalls barfuß, aber ohne Publikum. Die Strecke endet inmitten Roms rationalistischer Architektur des 1938 errichteten EUR-Geländes. Hier trifft der heutige Läufer auf eine Gruppe von Geflüchteten und ImmigrantInnen, die in einem Song ihr Recht auf Bewegungsfreiheit einfordern oder in einem anderen Land aufgenommen zu werden.

Der Film besteht aus drei Kapiteln. Im ersten Kapitel überlagern sich Sequenzen des nächtlichen Barfußlaufs mit historischem Filmmaterial, mit Archivmaterial über den Bau faschistischer Monumentalarchitektur, wie der Modellstadt EUR, die ebenso wie der Sportkomplex Foro Italico in Rom unter Mussolini entstand. Das zweite Kapitel zeigt das Re-Enactment des historischen Marathons in den heutigen Straßen Roms, ausgeführt von einem schwarzen Läufer. Im dritten Kapitel erklimmt eine Gruppe afrikanischer Geflüchteter die Treppen des Colosseo Quadrato im EUR-Gelände und singt als Chor auf dem Dach über ihre eigene Identität und über das Land, in dem sie jetzt leben. 

Mit Freedom of Movement untersuchen Fischer & el Sani die Komplexität von ideologischen, kolonialen und architektonischen Implikationen des symbolträchtigen Marathon-Olympiasiegs von Abebe Bikila und dessen Auswirkung bis in die Gegenwart.

Nina Fischer (*1965 in Emden) und Maroan el Sani (*1966 in Duisburg) arbeiten seit 1993 in Film- und Fotoprojekten zusammen, die sich vorrangig mit urbanen Räumen und dem kollektiven Gedächtnis beschäftigen. Als Duo haben sie an zahlreichen internationalen Ausstellungen teilgenommen, u.a. an der Manifesta 13, Marseille 2020, Videonale, Bonn 2019, Media City Seoul Biennale 2014, 2012, Istanbul Biennale 2007, Liverpool Biennale 1999 und der Berlin Biennale 1998. Fischer und el Sani leben und arbeiten in Berlin. 

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Am 28. Mai um 19.30 Uhr findet ein Künstlergespräch zwischen Nina Fischer, Maroan el Sani und Katja Blomberg im Skulpturenpark statt. Weitere Informationen folgen in Kürze.

Videoprogramm

Ab 7.4.: Appropriation takes you on a weird ride, 2020

Ab 14.4.: Freedom of Movement, 2019

Ab 21.4.: Der Dreisatz der Identität, 2016

Ab 28.4.: Contaminated Home, 2021

Ab 5.5.: Spelling Dystopia, 2008

Ab 12.5.: The Rise, 2007

Ab 19.5.: Toute la mémoire du monde – Alles Wissen der Welt, 2006

Ab 26.5.: Klub 2000, Rom – Paris – Marzahn, 1998

Ab 2.6.: Be supernatural, 1995

Pressebeiträge

Interview mit Nina Fischer, rbb radioeins, 8.4.2021

Kulturtipps, Deutschlandfunk Kultur, 17.4.2021