Ausstellung

Gianna Surangkanjanajai, Removed, 2025, Courtesy die Künstlerin
Gianna Surangkanjanajai
Open
20.2.2026 – 25.5.2026
Gianna Surangkanjanajai (geb. in Köln, lebt in New York) arbeitet vorwiegend skulptural. Ihre Arbeiten entstehen aus Situationen, in denen Material, Raum und Handlung unmittelbar ineinandergreifen. Skulptur bezeichnet in ihrer Praxis keinen feststehenden Zustand, sondern einen Prozess, dessen Verlauf sich nicht vollständig festlegen lässt. Ausgangspunkt ihrer Werke sind häufig einfache geometrische Körper, die Materialien aufnehmen und begrenzen. Innerhalb dieser Strukturen reagieren Flüssigkeiten, Farbe oder andere Stoffe auf Licht, Temperatur und Schwerkraft. Spannungen treten hervor, Zustände verschieben sich, innere Ordnungen geraten in Bewegung. Diese Dynamiken bleiben sichtbar und setzen sich fort, ohne sich zu einer endgültigen Form zu verdichten.
Für die Ausstellung im Haus am Waldsee ist eine Gruppe neuer Arbeiten entstanden. Vier großformatige Plexiglasquader sind mit industrieller Farbe gefüllt. Bereits im Ruhezustand wirkt die Masse der Flüssigkeit auf die geometrischen Strukturen: Die hohe Dichte der Farbe erzeugt einen konstanten Druck auf Wandflächen und Klebefugen, der sich bei Bewegung weiter erhöht. Verformung oder strukturelles Versagen bleiben dabei als latente Möglichkeiten präsent.
Die Skulpturen tragen den Titel Push und gehen aus einer performativen Handlung hervor. Auf Rollbrettern platziert, werden die Quader in den Ausstellungsraum gestoßen. Wo sie zum Stillstand kommen, ergibt sich aus Gewicht, Geschwindigkeit und den spezifischen Bedingungen des Raums. Spuren dieses Vorgangs bleiben im Inneren der Körper ablesbar: Farbe, die an die Wände schlägt, setzt sich anschließend ab und zieht Schlieren entlang der transparenten Oberflächen.
In einem weiteren Raum hat Surangkanjanajai eine bewegliche Wand installiert, die von den Besucher*innen entlang einer Deckenschiene nach Belieben verschoben werden kann. Mit ihrer Bewegung verändern sich Proportionen und Lichteinfall; Durchgänge öffnen oder verengen sich, Wege werden blockiert oder umgeleitet.
Die mobile Wand ist mit einem hellen Tarnmuster versehen, das ursprünglich darauf zielt, Dinge oder Personen visuell in ihrer Umgebung aufgehen zu lassen. In dieser Arbeit wird dieses Versprechen jedoch unterlaufen. Während das Muster Tarnung suggeriert, bleibt die Wand in ihrer raumteilenden Präsenz unübersehbar. Auch die militärischen und popkulturellen Assoziationen von Camouflage lassen sich nicht neutralisieren und treten als geteiltes kulturelles Wissen in Erscheinung. Anstatt diese Bezüge zu glätten oder zu kommentieren, setzt Surangkanjanajai sie einer räumlichen Situation aus, in der der Anspruch auf Unsichtbarkeit an der eigenen Setzung scheitert.
Sowohl die Push-Skulpturen als auch die mobile Wand halten ein offenes Feld aufrecht, in dem sich formale und inhaltliche Entwicklungen entfalten, ohne auf ein festes Resultat hin angelegt zu sein. Diese Prozesshaftigkeit spiegelt sich auch in der Betitelung der Ausstellung, die sich entlang ihres zeitlichen Verlaufs verändert. Vor der Eröffnung trägt die Ausstellung den Titel Upcoming, während ihrer Laufzeit heißt sie Open und nach ihrem Ende Closed. Die Titel markieren keine narrative Abfolge, sondern verweisen auf Zeit selbst als eine Bedingung, unter der sich Bedeutung fortlaufend neu formiert.
In ihrer Praxis interessiert sich Surangkanjanajai weniger für die Auslotung ortsspezifischer Besonderheiten als für grundlegendere Fragen danach, wie Handlungen Form hervorbringen, wie Materialien auf Eingriffe reagieren und wie Bedeutung aus dem Zusammenspiel dieser Faktoren entsteht. Ihre Offenheit ist kein Ausweichen ins Unbestimmte, sondern eine bewusste Abkehr von einer Fixierung der Gegenwart. Ungewissheit, Zufall und Widerstand sind dabei keine ungewollten Störungen, sondern produktive Bedingungen ästhetischer Erfahrung.
Kuratiert von
Beatrice Hilke
Gefördert durch:

Rey Akdogan, Single slide from Carousel #10, 2025, Lichtfilter, verschiedenfarbige Verpackungsmaterialien, zusammengehalten durch Dia-Rahmen, 13 Min. Loop (80 Dias), Maße variabel. Courtesy die Künstlerin und Galerie Anke Schmidt, Köln
20.2.2026 – 25.5.2026
Rey Akdogan (geb. in Heilbronn, lebt in New York) beschäftigt sich in ihrem Werk mit Materialien und bildgebenden Verfahren, die unsere visuelle Gegenwart prägen. Ihre Arbeiten untersuchen, wie Atmosphären und Stimmungen erzeugt werden, wie Farbe, Licht und stoffliche Eigenschaften Wahrnehmung beeinflussen und welche technischen und ökonomischen Bedingungen diese Prozesse hervorbringen. Häufig nehmen ihre Arbeiten raumbezogene Formen an und bewegen sich zwischen Projektion, Skulptur und Installation.
Im Mittelpunkt der Ausstellung im Haus am Waldsee stehen Akdogans seit 2010 entstehende Carousel-Arbeiten. Sie bestehen jeweils aus einer Abfolge von 80 handgefertigten 35-mm-Dias, die in handelsüblichen Kodak-Projektoren rotieren. Akdogan öffnet die Diarahmen, arrangiert innerhalb ihrer Fenster fragile Assemblagen und schließt sie wieder, ohne Klebstoff oder Fixierung. Die daraus entstehenden Bilder ergeben sich nicht aus fotografischen Aufnahmen, sondern aus materiellen Überlagerungen und dem durchscheinenden Licht des Projektors.
Ausgangspunkt dieser Anordnungen sind Materialien aus industriellen, kommerziellen und szenografischen Zusammenhängen. Farbfilter, bedruckte Kunststoffe, Mylarfolien oder Leuchtstoffröhren stammen aus dem Bühnenbild, aus Film oder Werbung. In ihren ursprünglichen Kontexten dienen sie dazu, Blickrichtungen zu lenken, Übergänge zu steuern und visuelle Konsistenz herzustellen, ohne selbst als Eingriffe wahrgenommen zu werden. In Akdogans Arbeiten lösen sich diese Materialien aus ihren Funktionszusammenhängen und werden als eigenständige, gestaltende Setzungen eingebunden. Durch Dehnen, Schneiden, Falten, Schichten oder Überlagern bearbeitet sie die Materialien weiter und fokussiert dabei auf ihre konkreten materiellen Eigenschaften: Oberflächen, künstliche Farbwerte, Übergänge und Nähte, die sich im projizierten Bild in Linien, Raster oder rhythmische Strukturen verwandeln.
Neben transparenten Farbfolien kommen auch Verpackungsreste zum Einsatz, die häufig mit industriellen CMYK-Verfahren bedruckt sind. Diese Materialien sind ursprünglich nicht für die Projektion vorgesehen und verändern ihr Farbspektrum, wenn Licht durch sie hindurchfällt: Weiß kippt ins Bräunliche, Gelb verdunkelt sich zu Schwarz. Mit jeder Rotation verschieben sich Tonlagen, Linien und Strukturen finden neue Ausrichtungen. Das gleichmäßige Klicken des Projektors gibt einen Rhythmus vor, der zu einer konzentrierten, verlangsamten Betrachtung einlädt und sich im Zusammenspiel mehrerer Projektionen im Raum weiter entfaltet.
Für die Ausstellung im Haus am Waldsee hat Akdogan ein neues Carousel geschaffen, Carousel #11, das Elemente der Architektur des Hauses aufgreift. Das steinerne Fliesenmuster des historischen Wintergartens wird aus seinem ortsfesten Zusammenhang gelöst und in seine strukturellen Einzelheiten zerlegt. Wiederkehrende Formen gehen in die zeitliche Ordnung des Carousels ein und fügen sich mit jeder Rotation neu zusammen.
Diese Auseinandersetzung wird in einer eigens für den Wintergarten entwickelten Lichtinstallation fortgeführt. Ein niedrig installierter Leuchtkörper mit Reflektoren tastet die Oberfläche des Bodens ab und hebt das grau-weiße Muster als flüchtiges Lichtfeld hervor. Der Fokus liegt dabei nicht auf einer atmosphärischen Inszenierung, sondern auf den materiellen und gestalterischen Details, die den Raum prägen. Durch diese Verschiebung der Aufmerksamkeit entsteht eine Distanz, aus der sich die Bedingungen des Raums neu wahrnehmen lassen.
Der Außenraum des Hauses ist ebenfalls in die Ausstellung einbezogen. Von einer Balkonbrüstung herabhängend installiert Akdogan einen kupfern schimmernden Lamettavorhang, wie er für Bühnenproduktionen verwendet wird. Über die gesamte Breite des Balkons gespannt, ist die Arbeit Wind, Wetter und Abnutzung ausgesetzt. Veränderung, Verformung und Verlust werden Teil des Werks und führen die prozessuale Dimension der Ausstellung in den Außenraum fort.
Kuratiert von
Beatrice Hilke
Trailer Rey Akdogan. Carousels
Gefördert durch:

Luciano Pecoits, Research Image, 2025, Courtesy der Künstler
20.2.26 – 17.1.27
Luciano Pecoits. Leidenschaftslose Mechaniken
20.2.26 – 25.5.26
1946, noch gezeichnet von den Bombenschäden des Zweiten Weltkriegs, entsteht in der 1922 für den jüdischen Textilfabrikanten Hermann Knobloch erbauten Villa das Haus am Waldsee, das in den folgenden Jahrzehnten eine bedeutende Ausstellungsgeschichte schreiben wird. 2026 anlässlich ihres 80-jährigen Bestehens, richtet die Institution den Blick zurück auf ihre Anfangsjahre: auf ihre Rahmenbedingungen, den Wandel vom privaten Wohnhaus zum Ausstellungshaus, auf Brüche und Kontinuitäten der Nachkriegszeit und auf die Spuren, die diese Entwicklungen im Selbstbild der Institution hinterlassen haben.
Die Ausstellung Leidenschaftslose Mechaniken von Luciano Pecoits (lebt und arbeitet zwischen München und Wien) ist das erste Kapitel der für das Jubiläum entwickelten Ausstellungsreihe Seit…
Der Künstler bedient sich in seiner Praxis fotografischer Herstellungsverfahren und Archivalien, um aus ihnen Rückschlüsse auf die Bedingungen ihrer Entstehungskontexte zu ziehen und darauf, wie diese bis in unsere Gegenwart nachwirken. Dabei legt er einen besonderen Schwerpunkt auf die Provenienzforschung als Methode zur Durchleuchtung von Kunst, ihren Institutionen, deren Entstehungsgeschichten und Selbstverständnissen.
Seine neu für die Ausstellung entstandenen Werke gehen aus einer mehr als zweijährigen Recherche zur Geschichte des Gebäudes des Haus am Waldsee hervor. Ausgehend von Verwaltungsdokumenten der Nachkriegsjahre, wie etwa Akten aus Restitutions- und Spruchkammerverfahren, zeichnet der Künstler ein feines Geflecht von Akteur*innen und Eigentumsverhältnissen nach. Ergänzt durch neue Reproduktionen der wenigen erhaltenen Fotografien des Gebäudes als Wohnort, legt er dar, in welchem Umfang das Haus in politische Machtstrukturen und nationalsozialistische Netzwerke eingebunden war, und wie diese Verflechtungen bis in die Nachkriegszeit und darüber hinaus weiter wirkmächtig bleiben.
Präsentiert wird die Ausstellung im Café, der ehemaligen Garage des Hauses, auf einer von der georgischen Kuratorin und Archivarin Nina Akhvlediani (lebt und arbeitet in Tiflis) entwickelten Displayarchitektur, die flexible Formen der Präsentation ermöglicht. Leidenschaftslose Mechaniken ist das erste von drei Kapiteln, die im Laufe des Jahres auf dem Display präsentiert werden. Von unterschiedlichen Künstler*innen gestaltet, eröffnen sie schlaglichtartig neue Perspektiven auf die Geschichte der Institution.
Gefördert durch / Gefördert von
