Skulpturenpark

Das Haus am Waldsee nutzt seine 10.000 qm große Parkanlage seit 2005 für einen Skulpturenpark. Hier wird der Skulpturenbegriff der Gegenwart anhand ausgewählter Arbeiten diskutiert.

 

Markus Jeschaunig (*1982)
The Weather Project, 2018, Nebelinstallation auf dem Waldsee

 

Markus Jeschaunig arbeitet an der Schnittstelle zwischen Naturwissenschaften und Kunst. Zum Baustellenfest im Sommer 2018 hat er The Weather Project auf dem Waldsee realisiert. Die Installation im Wasser lässt ein Klimaphänomen auf dem See entstehen.

Foto: Markus Jeschaunig

Angela Bulloch (*1966)
Heavy Metal Stack of Six: Greige, 2017, Pulverbeschichteter Stahl, Höhe: 3 Meter

 

 

 

Die Stele gehört zu einer Reihe von Plastiken, die seit 2014 zum Thema geometrischer, variabler Formen in vertikalen Abläufen entstehen. Über Computerprogramme werden konvexe Polyeder unterschiedlicher Gestalt entworfen und gestapelt. Durch die farbliche Behandlung in helle und dunkle Flächen – in diesem Fall in gebrochenes Weiß, Hellgrau und Auberginebraun –, entstehen dreidimensionale Felder, die scheinbar in den Raum drücken, plan erscheinen oder sich zurückziehen. Je nach Standpunkt erscheint dieses optische Täuschungsspiel dynamisch oder klar rhythmisiert. Jeder Rhombus hat eine individuelle Form, steht aber in engem Zusammenhang mit den übrigen der gestapelten Reihe.

Angela Bulloch verwendet neuste digitale Techniken um die euklidische Geometrie dreidimensional in den schwerelosen Raum zu erweitern. Hier koexistieren sie im virtuellen und realen Raum.

Foto: Roman März

Karl Hartung (1908–1967)
Flügelsäule, 1960/61

 

Flügelformen beschäftigen Karl Hartung schon in den 30er Jahren. Werke zwischen Figuration und biomorpher Abstraktion entstehen im Sinne Henry Moores seit 1935. Ein Jahr später siedelt Hartung nach Berlin über. Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft – 1943 konnte er Picasso in Paris besuchen – wird er 1950 an die eben wiedereröffnete Hochschule für Bildende Künste in Berlin berufen, deren stellvertretender Direktor er 1959 bis 1964 ist. Teilnahmen an allen internationalen Großausstellungen wie documenta, Biennale Venedig, Sao Paulo, Weltausstellung in Brüssel, etc. Überwindung der Schwerkraft, Wachstumsformen analog zur Natur, Übergänge zwischen inneren und äußeren Formen sind Stichworte zum Verständnis dieser nach Leichtigkeit strebenden Figur.

Foto: Bernd Borchardt

Thomas Rentmeister (*1964)
Depot, gestern, 2009

 

Seit einigen Jahren baut Thomas Rentmeister Skulpturen aus gestapelten Kühlschränken. Er bringt Dinge des Alltags, die der Hygiene und direkt oder indirekt dem Wohl unseres Körpers dienen, zusammen. Statt wie in früheren Arbeiten die Oberflächen und Zwischenräume mit Penatencreme zu füllen, überlässt der Künstler die Kühlschrankkörper, analog zum menschlichen Alterungsprozess, dem Verfall und provoziert unser ästhetisches Empfinden. Rentmeister hatte 2007 die Einzelausstellung Mehr im Haus am Waldsee.

Foto: Bernd Borchardt

Francis Zeischegg (*1956)
 Jagdschutzholzstapel zur Beobachtung von Wilderern, 2002

 

In einer forstwirtschaftlichen Zeitschrift stieß die Künstlerin 2011 in Potsdam auf den „Jagdschutzholzstapel“. Diese als Holzstapel getarnte Hütte war in DDR Zeiten zum Aufspüren von „Wilderern“ eingesetzt worden.
Nachbau einer DDR-Forstschutzeinrichtung, Rundholz, Kiefer, Duplexplatten geölt, Edelstahlverbindungen.

Foto: Bernd Borchardt

Tony Cragg_Versus_Haus am Waldsee

Tony Cragg (*1949)
Versus, 2011/19, Bronze, orange lackiert, 160 x 150 cm

 

Tony Cragg (*1949) gehört weltweit zu den führenden Bildhauern der Gegenwart. Der Brite lebt und arbeitet seit 1977 in Wuppertal, wo er nach einem Studium der Malerei in London zwei Jahre lang vollkommen zurückgezogen arbeitete. Schon während des Studiums am Royal College of Art in London, entdeckte er die Bildhauerei für sich. Die Begegnung mit dem Konzeptkünstler Richard Long mag ihn beeinflusst haben.

In den 1980er Jahren reüssierte Cragg auf dem internationalen Kunstmarkt und war auf der documenta 7, 1982 und documenta 8, 1987, sowie auf den Biennalen in Venedig, Sidney und São Paulo vertreten. Cragg lehrte ab 1979 an der Kunstakademie in Düsseldorf und ab 2002 an der Universität der Künste in Berlin. 2009 – 2013 war er Rektor der Kunstakademie Düsseldorf.

Die erste Version der Skulptur Versus, die der Künstler dem Haus am Waldsee als Leihgabe zur Verfügung stellt, entstand 2011 aus orange lackiertem Schichtholz. Sie wurde unter der Pyramide im Rahmen einer Einzelausstellung im Pariser Louvre vorgestellt. In den Folgejahren entstanden Bronzen nach dem Motiv in unterschiedlichen Größen. Darunter stellt die 2019 für das Haus am Waldsee entstandene Version die zweitgrößte und die einzige in Signalrot dar.

Versus gehört zur Werkgruppe der Rational Beings, in der Cragg das Motiv des Stapels, wie er es seit seinen Stacked Objects seit 1976 verfolgt, neu aufgreift. Hier nun scheint Material wie Eis oder heißes Metall unter seinem Eigengewicht und durch äußere Temperatureinflüsse zu schmelzen. Materie wird zu Energie, Energie zu Materie.

Das Haus am Waldsee bereitet mit dem Künstler für 2021 eine umfangreiche Ausstellung zu seinem zeichnerischen Werk vor. Tony Cragg unterhält seit 2008 einen privaten Skulpturenpark „Waldfrieden“ in Wuppertal. Neben der denkmalgeschützten Villa als ehemaligem Wohnsitz des Farbenfabrikanten Kurt Herberts, hat er auf dem 15 Hektar großen Waldgrundstück zwei Ausstellungshallen errichtet, in denen regelmäßig Einzelausstellungen mit internationalen Kollegen wie Eduardo Chillida, Mario Merz, John Chamberlain oder jüngeren BildhauerInnen stattfinden.

Foto: Bernd Borchardt

Jo Schöpfer, Sfera, 2001, Foto: Paul Schöpfer, VG Bild-Kunst Bonn 2019

Jo Schöpfer (*1951)
Sfera, 2001, Aluminium, Durchmesser 140 cm,

 

Schöpfers abstrakte Plastik aus Aluminiumbändern gibt ein sphärisches Geflecht wieder, das um einen leeren Kern kreist und auf Spuren sich bewegender Himmelskörper hinweist.

Jo Schöpfer studierte 1974-1980 Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Künste in Stuttgart. Von 1985 bis 1990 war er Dozent an der Fakultät für Architektur an der Universität Karlsruhe.

Foto: Paul Schöpfer, VG Bild-Kunst Bonn 2019

Katja Strunz_Einfall

Katja Strunz (*1970)
Kreatur des Einfalls, 2019, lackierter Stahl

 

Die Skulptur kreist um das Moment der Zeit im Sinne von Erinnerung und Trauma. Dabei geht die Bildhauer-Philosophin stark von der Sprache aus: die sich nach unten hin verjüngende Form schießt wie ein Pfeil in die Erde. Die BetrachterIn wird zur ZeugIn eines „Einfalls“, des Zeitpunktes, der schlagartig alles ändern kann, der kreative Gedanke, der sich sowohl aus der Vergangenheit, als auch aus der Zukunft nährt. Katja Strunz‘ Arbeit steht für die Ambivalenz zwischen Zerfall von Tradition und Erinnerung und dem rettendem Gedanken, der das Neue schlagartig spürbar macht.

Foto: Roman März

Daniel Pflumm (*1968)
Lichtobjekt o.T., 2006–09

 

Wie ein großes Essoschild mit blauem Rand leuchtet das Lichtobjekt von Daniel Pflumm am vorderen Rand des Vorgartens und wirbt für das Ausstellungshaus bei PassantInnen und AutofahrerInnen. Pflumm arbeitet mit den Zeichen der Werbung, ohne deren Markennamen zu nutzen. Das leere Schild wird zum Zeichen der Werbung schlechthin. Die BetrachterInnen können sich fragen, wie selbstverständlich und ohne nachzudenken sie den entsprechenden Schriftzug ergänzt. Der international durch zahlreiche Ausstellungen bekannt gewordene Pflumm hat an der Gruppenschau Anstoss Berlin im Haus am Waldsee teilgenommen.

Lichtskulpturen

Susanne Rottenbacher (*1969)
Sturm und Drang, 2019, LED

 

Für das Eingangstor des neuen Hauses am Waldsee entstand 2019 als Auftragsarbeit die doppelte Lichtinstallation Sturm und Drang. Farbige LED-Bahnen kreisen konzentriert um ein Zentrum, von dem aus Dynamik in den Raum führt.

1969 in Göttingen geboren, studierte Rottenbacher zunächst an der Columbia University in New York Bühnenbild. In London setzte sie dann ihr Studium an der Bartlett School of Architecture and Planning fort, nun mit dem Schwerpunkt Lichtgestaltung. Nach zahlreichen Aufträgen als Bühnen- und Lichtbildnerin wandte sich Rottenbacher 2004 der freien Kunst zu.

Foto: Claus Rottenbacher

Markus Jeschaunig (*1982)
The Weather Project, 2018, Nebelinstallation auf dem Waldsee

 

Markus Jeschaunig arbeitet an der Schnittstelle zwischen Naturwissenschaften und Kunst. Zum Baustellenfest im Sommer 2018 hat er The Weather Project auf dem Waldsee realisiert. Die Installation im Wasser lässt ein Klimaphänomen auf dem See entstehen.

Foto: Markus Jeschaunig

Karl Hartung (1908–1967)
Flügelsäule, 1960/61

 

Flügelformen beschäftigen Karl Hartung schon in den 30er Jahren. Werke zwischen Figuration und biomorpher Abstraktion entstehen im Sinne Henry Moores seit 1935. Ein Jahr später siedelt Hartung nach Berlin über. Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft – 1943 konnte er Picasso in Paris besuchen – wird er 1950 an die eben wiedereröffnete Hochschule für Bildende Künste in Berlin berufen, deren stellvertretender Direktor er 1959 bis 1964 ist. Teilnahmen an allen internationalen Großausstellungen wie documenta, Biennale Venedig, Sao Paulo, Weltausstellung in Brüssel, etc. Überwindung der Schwerkraft, Wachstumsformen analog zur Natur, Übergänge zwischen inneren und äußeren Formen sind Stichworte zum Verständnis dieser nach Leichtigkeit strebenden Figur.

Foto: Bernd Borchardt

Francis Zeischegg (*1956)
 Jagdschutzholzstapel zur Beobachtung von Wilderern, 2002

 

In einer forstwirtschaftlichen Zeitschrift stieß die Künstlerin 2011 in Potsdam auf den „Jagdschutzholzstapel“. Diese als Holzstapel getarnte Hütte war in DDR Zeiten zum Aufspüren von „Wilderern“ eingesetzt worden.
Nachbau einer DDR-Forstschutzeinrichtung, Rundholz, Kiefer, Duplexplatten geölt, Edelstahlverbindungen.

Foto: Bernd Borchardt

Jo Schöpfer, Sfera, 2001, Foto: Paul Schöpfer, VG Bild-Kunst Bonn 2019

Jo Schöpfer (*1951)
Sfera, 2001, Aluminium, Durchmesser 140 cm,

 

Schöpfers abstrakte Plastik aus Aluminiumbändern gibt ein sphärisches Geflecht wieder, das um einen leeren Kern kreist und auf Spuren sich bewegender Himmelskörper hinweist.

Jo Schöpfer studierte 1974-1980 Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Künste in Stuttgart. Von 1985 bis 1990 war er Dozent an der Fakultät für Architektur an der Universität Karlsruhe.

Foto: Paul Schöpfer, VG Bild-Kunst Bonn 2019

Daniel Pflumm (*1968)
Lichtobjekt o.T., 2006–09

 

Wie ein großes Essoschild mit blauem Rand leuchtet das Lichtobjekt von Daniel Pflumm am vorderen Rand des Vorgartens und wirbt für das Ausstellungshaus bei PassantInnen und AutofahrerInnen. Pflumm arbeitet mit den Zeichen der Werbung, ohne deren Markennamen zu nutzen. Das leere Schild wird zum Zeichen der Werbung schlechthin. Die BetrachterInnen können sich fragen, wie selbstverständlich und ohne nachzudenken sie den entsprechenden Schriftzug ergänzt. Der international durch zahlreiche Ausstellungen bekannt gewordene Pflumm hat an der Gruppenschau Anstoss Berlin im Haus am Waldsee teilgenommen.

Angela Bulloch (*1966)
Heavy Metal Stack of Six: Greige, 2017, Pulverbeschichteter Stahl, Höhe: 3 Meter

 

 

 

Die Stele gehört zu einer Reihe von Plastiken, die seit 2014 zum Thema geometrischer, variabler Formen in vertikalen Abläufen entstehen. Über Computerprogramme werden konvexe Polyeder unterschiedlicher Gestalt entworfen und gestapelt. Durch die farbliche Behandlung in helle und dunkle Flächen – in diesem Fall in gebrochenes Weiß, Hellgrau und Auberginebraun –, entstehen dreidimensionale Felder, die scheinbar in den Raum drücken, plan erscheinen oder sich zurückziehen. Je nach Standpunkt erscheint dieses optische Täuschungsspiel dynamisch oder klar rhythmisiert. Jeder Rhombus hat eine individuelle Form, steht aber in engem Zusammenhang mit den übrigen der gestapelten Reihe.

Angela Bulloch verwendet neuste digitale Techniken um die euklidische Geometrie dreidimensional in den schwerelosen Raum zu erweitern. Hier koexistieren sie im virtuellen und realen Raum.

Foto: Roman März

Thomas Rentmeister (*1964)
Depot, gestern, 2009

 

Seit einigen Jahren baut Thomas Rentmeister Skulpturen aus gestapelten Kühlschränken. Er bringt Dinge des Alltags, die der Hygiene und direkt oder indirekt dem Wohl unseres Körpers dienen, zusammen. Statt wie in früheren Arbeiten die Oberflächen und Zwischenräume mit Penatencreme zu füllen, überlässt der Künstler die Kühlschrankkörper, analog zum menschlichen Alterungsprozess, dem Verfall und provoziert unser ästhetisches Empfinden. Rentmeister hatte 2007 die Einzelausstellung Mehr im Haus am Waldsee.

Foto: Bernd Borchardt

Tony Cragg_Versus_Haus am Waldsee

Tony Cragg (*1949)
Versus, 2011/19, Bronze, orange lackiert, 160 x 150 cm

 

Tony Cragg (*1949) gehört weltweit zu den führenden Bildhauern der Gegenwart. Der Brite lebt und arbeitet seit 1977 in Wuppertal, wo er nach einem Studium der Malerei in London zwei Jahre lang vollkommen zurückgezogen arbeitete. Schon während des Studiums am Royal College of Art in London, entdeckte er die Bildhauerei für sich. Die Begegnung mit dem Konzeptkünstler Richard Long mag ihn beeinflusst haben.

In den 1980er Jahren reüssierte Cragg auf dem internationalen Kunstmarkt und war auf der documenta 7, 1982 und documenta 8, 1987, sowie auf den Biennalen in Venedig, Sidney und São Paulo vertreten. Cragg lehrte ab 1979 an der Kunstakademie in Düsseldorf und ab 2002 an der Universität der Künste in Berlin. 2009 – 2013 war er Rektor der Kunstakademie Düsseldorf.

Die erste Version der Skulptur Versus, die der Künstler dem Haus am Waldsee als Leihgabe zur Verfügung stellt, entstand 2011 aus orange lackiertem Schichtholz. Sie wurde unter der Pyramide im Rahmen einer Einzelausstellung im Pariser Louvre vorgestellt. In den Folgejahren entstanden Bronzen nach dem Motiv in unterschiedlichen Größen. Darunter stellt die 2019 für das Haus am Waldsee entstandene Version die zweitgrößte und die einzige in Signalrot dar.

Versus gehört zur Werkgruppe der Rational Beings, in der Cragg das Motiv des Stapels, wie er es seit seinen Stacked Objects seit 1976 verfolgt, neu aufgreift. Hier nun scheint Material wie Eis oder heißes Metall unter seinem Eigengewicht und durch äußere Temperatureinflüsse zu schmelzen. Materie wird zu Energie, Energie zu Materie.

Das Haus am Waldsee bereitet mit dem Künstler für 2021 eine umfangreiche Ausstellung zu seinem zeichnerischen Werk vor. Tony Cragg unterhält seit 2008 einen privaten Skulpturenpark „Waldfrieden“ in Wuppertal. Neben der denkmalgeschützten Villa als ehemaligem Wohnsitz des Farbenfabrikanten Kurt Herberts, hat er auf dem 15 Hektar großen Waldgrundstück zwei Ausstellungshallen errichtet, in denen regelmäßig Einzelausstellungen mit internationalen Kollegen wie Eduardo Chillida, Mario Merz, John Chamberlain oder jüngeren BildhauerInnen stattfinden.

Foto: Bernd Borchardt

Katja Strunz_Einfall

Katja Strunz (*1970)
Kreatur des Einfalls, 2019, lackierter Stahl

 

Die Skulptur kreist um das Moment der Zeit im Sinne von Erinnerung und Trauma. Dabei geht die Bildhauer-Philosophin stark von der Sprache aus: die sich nach unten hin verjüngende Form schießt wie ein Pfeil in die Erde. Die BetrachterIn wird zur ZeugIn eines „Einfalls“, des Zeitpunktes, der schlagartig alles ändern kann, der kreative Gedanke, der sich sowohl aus der Vergangenheit, als auch aus der Zukunft nährt. Katja Strunz‘ Arbeit steht für die Ambivalenz zwischen Zerfall von Tradition und Erinnerung und dem rettendem Gedanken, der das Neue schlagartig spürbar macht.

Foto: Roman März

Lichtskulpturen

Susanne Rottenbacher (*1969)
Sturm und Drang, 2019, LED

 

Für das Eingangstor des neuen Hauses am Waldsee entstand 2019 als Auftragsarbeit die doppelte Lichtinstallation Sturm und Drang. Farbige LED-Bahnen kreisen konzentriert um ein Zentrum, von dem aus Dynamik in den Raum führt.

1969 in Göttingen geboren, studierte Rottenbacher zunächst an der Columbia University in New York Bühnenbild. In London setzte sie dann ihr Studium an der Bartlett School of Architecture and Planning fort, nun mit dem Schwerpunkt Lichtgestaltung. Nach zahlreichen Aufträgen als Bühnen- und Lichtbildnerin wandte sich Rottenbacher 2004 der freien Kunst zu.

Foto: Claus Rottenbacher

 

ARCHIV

Peter Ablinger (*1959)
Weiss / Weisslich 30, 2008, Schilf, Wind

 

Die Klanginstallation des österreichischen Komponisten Peter Ablinger steht in direktem Kontakt zu den natürlichen Geräuschen ihrer Umgebung. So bildet erst die Differenz zwischen dem Rauschen von Laubbäumen und Schilf das eigentliche Thema. Peter Ablinger hatte 2008 seine Einzelausstellung Hören hören im Haus am Waldsee.

Lynn Chadwick (1914–2003)
Beast Alerted I, 1990, Edelstahl

 

Ende der 1980er Jahre nimmt der britische Bildhauer Lynn Chadwick die Arbeit an Tierdarstellungen wieder auf, wie sie seit Ende der 1950er Jahren in Bronze entstanden waren und 1960 im Haus am Waldsee ausgestellt wurden.
Beast Alerted I
entsteht 1990 zugleich in Bronze und Edelstahl. Die hier ausgestellte Edelstahlversion zeigt, wie stark der Künstler Konstruktion und klare Flächen in den Mittelpunkt stellt. Diese von allen Sichtseiten durchformulierte Formensprache erinnert an die ursprüngliche Ausbildung Chadwicks als Architekt. Beast Alerted I gehört zu einer Gruppe von fünf „wilden“ Tieren, die 1989/90 auf dem weitläufigen Gelände des Künstlers in Gloucester, westlich von London, aufgestellt wurden. Sie kommunizieren unmittelbar mit der Natur und wirken doch wie außerirdisch.

Foto: Roman März

Außenansicht 3_Biester der Zeit_Haus am Waldsee

Hans Uhlmann (1900–1975)

Entfaltung, 1966, Chrom-Nickel-Stahl, schwarz getönt
Leihgabe des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW

 

Die Chrom-Nickel-Stahl-Plastik Entfaltung von Hans Uhlmann (Berlin, 1900 – 1975) entstand 1966 für die staatliche Ingenieurschule Bielefeld und stellt Uhlmanns fünfzehnte Auftragsarbeit dar. Im Rahmen der Ausstellung Lynn Chadwick, Katja Strunz, Hans Uhlmann, in der wir uns im Sommer 2019 ausführlich dem Thema Faltung in der Bildhauerei des 20. und 21. Jahrhunderts gewidmet haben, reiste die Arbeit als Leihgabe an den Waldsee. Dort ist sie noch bis voraussichtlich Juli 2020 zu sehen. Nutzen Sie also die Gelegenheit diese wunderbare Arbeit in Augenschein zu nehmen und mit anderen Plastiken des Bildhauers in Berlin – vor allem mit der Plastik vor der Deutschen Oper – zu vergleichen.

Hans Uhlmann war ausgebildeter Ingenieur. Erst in den 1930er Jahren begann er neben seiner Tätigkeit als Dozent an der Berliner Technischen Universität ein privates Kunststudium. Es entstanden erste Plastiken aus Eisendraht, die er in der Galerie Gurlitt ausstellte. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab Uhlmann seinen Brotberuf dann sehr bald auf. Obwohl ohne künstlerisch-akademische Ausbildung entschloss er sich, sein Leben fortan der Bildhauerei zu widmen. Binnen weniger Jahre entwickelte er sich zum führenden Stahlbildhauer in Deutschland. Mitte der 1950er Jahre übernahm Uhlmann eine Professur an der Berliner Hochschule der Künste. Nicht nur in Berlin war er bald einer der gefragtesten deutschen Künstler der Nachkriegszeit, die im Wiederaufbau zahlreiche Wettbewerbe für Kunst im öffentlichen Raum gewannen und international zu großen Ausstellungen eingeladen wurden.

Uhlmanns erste Werke nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden als halbabstrakte, lyrische Gebilde, die jeweils aus einem einzigen Draht geschaffen Körperkonturen von Vögeln und Insekten in den Raum „zeichneten“. Ganz nach den Vorgaben von Antoine Pevsner und Naum Gabo, die im Realistischen Manifest 1922/23 eine moderne Plastik ohne Körpervolumen gefordert hatten, waren diese Arbeiten transparent und auf ein Mindestmaß an Volumen reduziert.

Als mathematisch-technisch orientierter Mensch entwickelte Uhlmann ab den frühen 1950er Jahren dann Plastiken aus geschnittenen Stahlplatten, die er, als wären sie aus Papier gefaltet, in engen Dialog mit dem Raum versetzte. Dazu gehören ab 1962 auch Arbeiten wie Entfaltung.

Im Gegensatz zu den frühen Drahtplastiken, denkt Uhlmann hier vom Kern einer Form her und entfaltet sie nach außen. Über einem diagonal gerichteten Standbein entwickelt sich unsere Entfaltung wie eine aufblühende Knospe, die sich zum Licht hinwendet. Die Arbeit entstand für den Außenraum einer Hochschule. Hier gehen junge Menschen ein und aus, die sich durch Bildung entwickeln, entfalten und wachsen. Stets fand Uhlmann in seinen Auftragsarbeiten Metaphern, die die Nutzung der Gebäude mit dem Formvokabular seiner beeindruckenden Plastiken in Einklang brachten.

Bitte lesen Sie mehr zu den Arbeiten von Hans Uhlmann im öffentlichen Raum in Berlin.

Und hier können Sie den Katalog Biester der Zeit – Lynn Chadwick, Katja Strunz, Hans Uhlmann erwerben.

Foto: Roman März

Olav Christopher Jenssen (*1954)
Lingaphone, 2008, PVC lackiert

 

Aus gefalteten und ausgeschnittenen Papierblättern heraus entwickelte Scheibenplastiken, die als Rahmen, Projektionsflächen und Leerstellen in der Natur verstanden werden können. Olav Christopher Jenssen ist Maler. Er arbeitet an den Übergängen zwischen Bewusstsein und Intuition und hatte 2008 die Einzelausstellung Zeitweise im Haus am Waldsee.

Foto: Bernd Borchardt

Erik Steinbrecher (*1963) 
 ALPAMARE, 2010/2012, Aluminiumguss

 

Des Schweizer Konzeptkünstler Erik Steinbrecher hat eine hybride Skulptur aus vier Teilen geschaffen. Sie ähnelt einer Gruppe von Bäumchen mit Stämmen und Kronen. Aus Bambusschilf werden Stämme. Brotkronen stellen eine Art Gewächs oder Frucht dar. Der Künstler bewertet Toastscheiben als Material; Weissbrot zum Essen vom Fließband. Aber auch für „feine“ Häppchen, als Croque Monsieur, als Sandwich etc.. Toast ist das letzte Brot, das man noch nächtens an Tankstellen kaufen kann. Die Arbeit reflektiert unser Verhältnis zu Leib und Seele.

Foto: Bernd Borchardt

Tony Cragg (*1949)
Outspan, 2008, Bronze

 

Foto: Berndt Borchardt

Werner Aisslinger (*1964)
Loftcube, 2003

 

Werner Aisslinger setzte seine Wohnvision erstmals vor vier Jahren in die Realität um – im Himmel über Berlin. Während des DESIGNMAI BERLIN 2003, dem ersten Design-Festival der deutschen Hauptstadt konnte die Innovation, der mobile Wohncontainer, erstmals als Prototyp besichtigt werden. Der international renommierte Gestalter hat sich die Frage gestellt: „Wie könnte eine vorübergehende, minimale Wohneinheit aussehen, die nomadisch lebenden Menschen in Großstädten und verdichten urbanen Zonen einen persönlich Rückzugsort für kurze Zeiträume bieten könnte? Anstelle theoretischer Exkurse stellte er gleich die Realisierung zur Diskussion.
Der Ort ist spektakulär: direkt am Waldsee und damit nicht wie einst an der Spree, auf dem Dach eines ehemaligen Eierkühlhauses. Damals demostrierten zwei „Loftcubes“ die neue Möglichkeit des Siedelns in der Großstadt. Jetzt ist der Cube in der Natur angekommen. Viele Menschen arbeiten weit von der Natur entfernt. Ihre besondere Lebensqualität könnte durch den meditativen Rückzugsort „Art Cube“ erheblich verbessert werden.
Mit dem architektonischen Begriff „fliegende Bauten“, der für temporäre, nicht ortsgebundene Architektur verwendet wird, spielt der Designer Werner Aisslinger auch auf die Mobilität seiner Wohn-Container an. In seiner teuersten Version ist es der Transport per Lasthubschrauber zum nächsten Ort. Auch andere Transportwege wie per Mobilkran sind möglich, außerdem ist das modular aufgebaute Gehäuse zerlegbar und damit an jedem Ort zwischen Bergeinsamkeit und Großstadtflachdach, zwischen Waldsee und Potsdamer Platz denkbar.

Foto: Bernd Borchardt

Social Knit Work Berlin 
2015, Strickteppich

 

Der 20 Meter lange, rot gepixelte Strickteppich zum See wurde von der Guerilla-Knitting Bewegung in den USA inspiriert. Regelmäßig treffen sich seit 2011 Frauen in Friedenau und anderswo zum Stricken und Umgarnen öffentlicher Räume. Die Berliner Gruppe war zuletzt 2014 Gast bei der Triennale Bingen (Haus mit Kaugummiautomat). Bis Ende August 2015 lud der Teppich im Skulpturenpark des Hauses am Waldsee zum Verweilen und Träumen ein.

Foto: Haus am Waldsee

Simon Faithfull (*1966)
Shy Fountain, 2018

 

Die Fontäne im See existiert nur, wenn niemand da ist. Sobald sich die BetrachterIn nähert, verschwindet das ephemere Kunstwerk. Nur Stille bringt es in den Bereich der Sichtbarkeit zurück. Simon Faithfull ist Videokünstler und Zeichner. Er hatte 2009 die Doppelausstellung Schwerelos mit Carla Guagliardi im Haus am Waldsee.

Foto: Bernd Borchardt 

Michael Sailstorfer (*1979)
Wohnen mit Verkehrsanbindung (Großkatzbach), 2001

 

Bushaltestelle, Bett, Küche, Tisch, Stuhl, Regal, Toilette, Tür, Licht, Strom, Wasser. Sailstorfer interessiert sich für das Absurde unserer auf Mobilität gestimmten Gesellschaft. Als fünf Bushaltestellen in seiner niederbayerischen Heimatgemeinde ersetzt werden sollten, erwarb und bearbeitete er sie. Als Überlebenseinheit mit Bett, Stuhl, Tisch, Herd und Abort ausgestattet, verkürzt die Schutzhütte den scheinbaren Raum zwischen Wohnen und Unterwegssein.

Ina Weber (*1964)
Trümmerbahnen, 2004

 

Die Künstlerin hat in Kassel unter anderem bei Martin Kippenberger studiert. Es gehört zur subversiven künstlerischen Strategie der in Berlin lebenden Bildhauerin, ihren Blick auf die urbanen, zumeist profan-banalen und damit nahezu aus dem Bewusstsein entschwundenen Stadtmöblierungen zu richten. Daraus führt sie im Haus am Waldsee eine Minigolfanlage vor, die mit Bauruinen als bespielbare Hindernisse ausgestattet ist. In heiter entlarvender Art führt Weber befremdlich dimensionierte Modellsituationen vor Augen. Ina Weber war 2013 mit der Einzelausstellung Hier im Haus am Waldsee zu sehen.

Foto: Bernd Borchardt

Katinka Pilscheur (*1974)
9-2007-2, 2007, Lastwagenplane

 

Für ihre Arbeiten verwendet Katinka Pilscheur Materialien und Farben des Alltags. Diese werden in neue Zusammenhänge übertragen und ortsspezifisch aufgebaut. In diesem Fall wurden zwei überdimensionale Kopfkissen-Objekte aus Lastwagenplanen so übereinander gelegt, dass sie, wie nach einer durchschlafenen Nacht, „gebraucht“ erscheinen. Das Intime wird öffentlich. 

Foto: Bernd Borchardt 

Wilhelm Mundt (*1959)
Trashstone 412, 2006

 

Seit den 90er Jahren verhüllt und verpackt Wilhelm Mundt den Abfall seines Ateliers zu fest in PVC Folie eingeschweißten „Steinen“, die ihre Form allein durch die in ihrem Inneren befindlichen Gegenstände erhalten. Tonnenschwer wirkt der 2006 entstandene Stein Nummer 412 wie eine Zeitkapsel, die voller Energie steckt. Der aus der Nähe von Düsseldorf stammende Künstler lehrt an der Kunstakademie Dresden.

Foto: Bernd Borchardt

William Engelen (*1964)
Meteophon, 2009

 

Die Klangarbeit des niederländischen Künstlers William Engelen im Bauwagen macht die aktuellen Wetterwerte hörbar. Indem sie sie mit den Mittelwerten der letzten zehn Jahre vergleicht, entsteht aus dem Moment und den geltenden Abweichungen heraus eine Symphonie aus Froschquaken, Celloklang, Gartenliedsingen oder Apfelkauen.

Foto: Bernd Borchardt

Jeppe Hein (*1974)
Modified Social Bench #4, 2008

 

Foto: Bernd Borchardt

Peter Ablinger (*1959)
Weiss / Weisslich 30, 2008, Schilf, Wind

 

Die Klanginstallation des österreichischen Komponisten Peter Ablinger steht in direktem Kontakt zu den natürlichen Geräuschen ihrer Umgebung. So bildet erst die Differenz zwischen dem Rauschen von Laubbäumen und Schilf das eigentliche Thema. Peter Ablinger hatte 2008 seine Einzelausstellung Hören hören im Haus am Waldsee.

Außenansicht 3_Biester der Zeit_Haus am Waldsee

Hans Uhlmann (1900–1975)

Entfaltung, 1966, Chrom-Nickel-Stahl, schwarz getönt
Leihgabe des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW

 

Die Chrom-Nickel-Stahl-Plastik Entfaltung von Hans Uhlmann (Berlin, 1900 – 1975) entstand 1966 für die staatliche Ingenieurschule Bielefeld und stellt Uhlmanns fünfzehnte Auftragsarbeit dar. Im Rahmen der Ausstellung Lynn Chadwick, Katja Strunz, Hans Uhlmann, in der wir uns im Sommer 2019 ausführlich dem Thema Faltung in der Bildhauerei des 20. und 21. Jahrhunderts gewidmet haben, reiste die Arbeit als Leihgabe an den Waldsee. Dort ist sie noch bis voraussichtlich Juli 2020 zu sehen. Nutzen Sie also die Gelegenheit diese wunderbare Arbeit in Augenschein zu nehmen und mit anderen Plastiken des Bildhauers in Berlin – vor allem mit der Plastik vor der Deutschen Oper – zu vergleichen.

Hans Uhlmann war ausgebildeter Ingenieur. Erst in den 1930er Jahren begann er neben seiner Tätigkeit als Dozent an der Berliner Technischen Universität ein privates Kunststudium. Es entstanden erste Plastiken aus Eisendraht, die er in der Galerie Gurlitt ausstellte. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab Uhlmann seinen Brotberuf dann sehr bald auf. Obwohl ohne künstlerisch-akademische Ausbildung entschloss er sich, sein Leben fortan der Bildhauerei zu widmen. Binnen weniger Jahre entwickelte er sich zum führenden Stahlbildhauer in Deutschland. Mitte der 1950er Jahre übernahm Uhlmann eine Professur an der Berliner Hochschule der Künste. Nicht nur in Berlin war er bald einer der gefragtesten deutschen Künstler der Nachkriegszeit, die im Wiederaufbau zahlreiche Wettbewerbe für Kunst im öffentlichen Raum gewannen und international zu großen Ausstellungen eingeladen wurden.

Uhlmanns erste Werke nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden als halbabstrakte, lyrische Gebilde, die jeweils aus einem einzigen Draht geschaffen Körperkonturen von Vögeln und Insekten in den Raum „zeichneten“. Ganz nach den Vorgaben von Antoine Pevsner und Naum Gabo, die im Realistischen Manifest 1922/23 eine moderne Plastik ohne Körpervolumen gefordert hatten, waren diese Arbeiten transparent und auf ein Mindestmaß an Volumen reduziert.

Als mathematisch-technisch orientierter Mensch entwickelte Uhlmann ab den frühen 1950er Jahren dann Plastiken aus geschnittenen Stahlplatten, die er, als wären sie aus Papier gefaltet, in engen Dialog mit dem Raum versetzte. Dazu gehören ab 1962 auch Arbeiten wie Entfaltung.

Im Gegensatz zu den frühen Drahtplastiken, denkt Uhlmann hier vom Kern einer Form her und entfaltet sie nach außen. Über einem diagonal gerichteten Standbein entwickelt sich unsere Entfaltung wie eine aufblühende Knospe, die sich zum Licht hinwendet. Die Arbeit entstand für den Außenraum einer Hochschule. Hier gehen junge Menschen ein und aus, die sich durch Bildung entwickeln, entfalten und wachsen. Stets fand Uhlmann in seinen Auftragsarbeiten Metaphern, die die Nutzung der Gebäude mit dem Formvokabular seiner beeindruckenden Plastiken in Einklang brachten.

Bitte lesen Sie mehr zu den Arbeiten von Hans Uhlmann im öffentlichen Raum in Berlin.

Und hier können Sie den Katalog Biester der Zeit – Lynn Chadwick, Katja Strunz, Hans Uhlmann erwerben.

Foto: Roman März

Erik Steinbrecher (*1963) 
 ALPAMARE, 2010/2012, Aluminiumguss

 

Des Schweizer Konzeptkünstler Erik Steinbrecher hat eine hybride Skulptur aus vier Teilen geschaffen. Sie ähnelt einer Gruppe von Bäumchen mit Stämmen und Kronen. Aus Bambusschilf werden Stämme. Brotkronen stellen eine Art Gewächs oder Frucht dar. Der Künstler bewertet Toastscheiben als Material; Weissbrot zum Essen vom Fließband. Aber auch für „feine“ Häppchen, als Croque Monsieur, als Sandwich etc.. Toast ist das letzte Brot, das man noch nächtens an Tankstellen kaufen kann. Die Arbeit reflektiert unser Verhältnis zu Leib und Seele.

Foto: Bernd Borchardt

Werner Aisslinger (*1964)
Loftcube, 2003

 

Werner Aisslinger setzte seine Wohnvision erstmals vor vier Jahren in die Realität um – im Himmel über Berlin. Während des DESIGNMAI BERLIN 2003, dem ersten Design-Festival der deutschen Hauptstadt konnte die Innovation, der mobile Wohncontainer, erstmals als Prototyp besichtigt werden. Der international renommierte Gestalter hat sich die Frage gestellt: „Wie könnte eine vorübergehende, minimale Wohneinheit aussehen, die nomadisch lebenden Menschen in Großstädten und verdichten urbanen Zonen einen persönlich Rückzugsort für kurze Zeiträume bieten könnte? Anstelle theoretischer Exkurse stellte er gleich die Realisierung zur Diskussion.
Der Ort ist spektakulär: direkt am Waldsee und damit nicht wie einst an der Spree, auf dem Dach eines ehemaligen Eierkühlhauses. Damals demostrierten zwei „Loftcubes“ die neue Möglichkeit des Siedelns in der Großstadt. Jetzt ist der Cube in der Natur angekommen. Viele Menschen arbeiten weit von der Natur entfernt. Ihre besondere Lebensqualität könnte durch den meditativen Rückzugsort „Art Cube“ erheblich verbessert werden.
Mit dem architektonischen Begriff „fliegende Bauten“, der für temporäre, nicht ortsgebundene Architektur verwendet wird, spielt der Designer Werner Aisslinger auch auf die Mobilität seiner Wohn-Container an. In seiner teuersten Version ist es der Transport per Lasthubschrauber zum nächsten Ort. Auch andere Transportwege wie per Mobilkran sind möglich, außerdem ist das modular aufgebaute Gehäuse zerlegbar und damit an jedem Ort zwischen Bergeinsamkeit und Großstadtflachdach, zwischen Waldsee und Potsdamer Platz denkbar.

Foto: Bernd Borchardt

Simon Faithfull (*1966)
Shy Fountain, 2018

 

Die Fontäne im See existiert nur, wenn niemand da ist. Sobald sich die BetrachterIn nähert, verschwindet das ephemere Kunstwerk. Nur Stille bringt es in den Bereich der Sichtbarkeit zurück. Simon Faithfull ist Videokünstler und Zeichner. Er hatte 2009 die Doppelausstellung Schwerelos mit Carla Guagliardi im Haus am Waldsee.

Foto: Bernd Borchardt 

Ina Weber (*1964)
Trümmerbahnen, 2004

 

Die Künstlerin hat in Kassel unter anderem bei Martin Kippenberger studiert. Es gehört zur subversiven künstlerischen Strategie der in Berlin lebenden Bildhauerin, ihren Blick auf die urbanen, zumeist profan-banalen und damit nahezu aus dem Bewusstsein entschwundenen Stadtmöblierungen zu richten. Daraus führt sie im Haus am Waldsee eine Minigolfanlage vor, die mit Bauruinen als bespielbare Hindernisse ausgestattet ist. In heiter entlarvender Art führt Weber befremdlich dimensionierte Modellsituationen vor Augen. Ina Weber war 2013 mit der Einzelausstellung Hier im Haus am Waldsee zu sehen.

Foto: Bernd Borchardt

Wilhelm Mundt (*1959)
Trashstone 412, 2006

 

Seit den 90er Jahren verhüllt und verpackt Wilhelm Mundt den Abfall seines Ateliers zu fest in PVC Folie eingeschweißten „Steinen“, die ihre Form allein durch die in ihrem Inneren befindlichen Gegenstände erhalten. Tonnenschwer wirkt der 2006 entstandene Stein Nummer 412 wie eine Zeitkapsel, die voller Energie steckt. Der aus der Nähe von Düsseldorf stammende Künstler lehrt an der Kunstakademie Dresden.

Foto: Bernd Borchardt

Jeppe Hein (*1974)
Modified Social Bench #4, 2008

 

Foto: Bernd Borchardt

Lynn Chadwick (1914–2003)
Beast Alerted I, 1990, Edelstahl

 

Ende der 1980er Jahre nimmt der britische Bildhauer Lynn Chadwick die Arbeit an Tierdarstellungen wieder auf, wie sie seit Ende der 1950er Jahren in Bronze entstanden waren und 1960 im Haus am Waldsee ausgestellt wurden.
Beast Alerted I
entsteht 1990 zugleich in Bronze und Edelstahl. Die hier ausgestellte Edelstahlversion zeigt, wie stark der Künstler Konstruktion und klare Flächen in den Mittelpunkt stellt. Diese von allen Sichtseiten durchformulierte Formensprache erinnert an die ursprüngliche Ausbildung Chadwicks als Architekt. Beast Alerted I gehört zu einer Gruppe von fünf „wilden“ Tieren, die 1989/90 auf dem weitläufigen Gelände des Künstlers in Gloucester, westlich von London, aufgestellt wurden. Sie kommunizieren unmittelbar mit der Natur und wirken doch wie außerirdisch.

Foto: Roman März

Olav Christopher Jenssen (*1954)
Lingaphone, 2008, PVC lackiert

 

Aus gefalteten und ausgeschnittenen Papierblättern heraus entwickelte Scheibenplastiken, die als Rahmen, Projektionsflächen und Leerstellen in der Natur verstanden werden können. Olav Christopher Jenssen ist Maler. Er arbeitet an den Übergängen zwischen Bewusstsein und Intuition und hatte 2008 die Einzelausstellung Zeitweise im Haus am Waldsee.

Foto: Bernd Borchardt

Tony Cragg (*1949)
Outspan, 2008, Bronze

 

Foto: Berndt Borchardt

Social Knit Work Berlin 
2015, Strickteppich

 

Der 20 Meter lange, rot gepixelte Strickteppich zum See wurde von der Guerilla-Knitting Bewegung in den USA inspiriert. Regelmäßig treffen sich seit 2011 Frauen in Friedenau und anderswo zum Stricken und Umgarnen öffentlicher Räume. Die Berliner Gruppe war zuletzt 2014 Gast bei der Triennale Bingen (Haus mit Kaugummiautomat). Bis Ende August 2015 lud der Teppich im Skulpturenpark des Hauses am Waldsee zum Verweilen und Träumen ein.

Foto: Haus am Waldsee

Michael Sailstorfer (*1979)
Wohnen mit Verkehrsanbindung (Großkatzbach), 2001

 

Bushaltestelle, Bett, Küche, Tisch, Stuhl, Regal, Toilette, Tür, Licht, Strom, Wasser. Sailstorfer interessiert sich für das Absurde unserer auf Mobilität gestimmten Gesellschaft. Als fünf Bushaltestellen in seiner niederbayerischen Heimatgemeinde ersetzt werden sollten, erwarb und bearbeitete er sie. Als Überlebenseinheit mit Bett, Stuhl, Tisch, Herd und Abort ausgestattet, verkürzt die Schutzhütte den scheinbaren Raum zwischen Wohnen und Unterwegssein.

Katinka Pilscheur (*1974)
9-2007-2, 2007, Lastwagenplane

 

Für ihre Arbeiten verwendet Katinka Pilscheur Materialien und Farben des Alltags. Diese werden in neue Zusammenhänge übertragen und ortsspezifisch aufgebaut. In diesem Fall wurden zwei überdimensionale Kopfkissen-Objekte aus Lastwagenplanen so übereinander gelegt, dass sie, wie nach einer durchschlafenen Nacht, „gebraucht“ erscheinen. Das Intime wird öffentlich. 

Foto: Bernd Borchardt 

William Engelen (*1964)
Meteophon, 2009

 

Die Klangarbeit des niederländischen Künstlers William Engelen im Bauwagen macht die aktuellen Wetterwerte hörbar. Indem sie sie mit den Mittelwerten der letzten zehn Jahre vergleicht, entsteht aus dem Moment und den geltenden Abweichungen heraus eine Symphonie aus Froschquaken, Celloklang, Gartenliedsingen oder Apfelkauen.

Foto: Bernd Borchardt