Johanna Diehl – 
In den Falten das Eigentliche
AUSSTELLUNG

29.11.2019 – 23.2.2020

„Wer einmal den Fächer der Erinnerung aufzuklappen begonnen hat, der findet immer neue Glieder, […] kein Bild genügt ihm, denn er hat erkannt: es ließe sich entfalten, in den Falten erst sitzt das eigentliche […].“ (aus: Walter Benjamin, Das Passagen-Werk)

Im Winter 2019/20 zeigt das Haus am Waldsee eine erste institutionelle Einzelausstellung mit der vielfach ausgezeichneten Fotokünstlerin Johanna Diehl (*1977) in Berlin. Frei nach Walter Benjamin entwickelt sie ihre Arbeit aus dem Gedanken heraus, dass das Eigentliche der Geschichte in den Falten der Erinnerung steckt. So spürt sie das Verborgene, oft auch Vergessene im jüngeren Gedächtnis Europas auf und findet zu Bildern, die sensibel konstatieren, statt aufzuklären oder zu beeindrucken.

In ihren jüngsten Serien bezieht sich Diehl auf private Biographien der westdeutschen Nachkriegszeit. Dafür hat die Großnichte von documenta-Gründer Arnold Bode Diamagazine, Tagebücher und Archive ihrer Großelterngeneration ausgewertet. Darunter prominente Verleger und Architekten in Kassel. Präzise setzt sie Traumata ins Bild. Ihre Arbeiten handeln von Aufbruch und Schweigen der ersten Dekaden nach 1945 sowie von den seelischen Nachwirkungen der Nazivergangenheit bis heute.

Johanna Diehl hat in Leipzig und Paris unter anderem bei Timm Rautert, Boris Mikhailov sowie Jean-Marc Bustamante Kunst studiert. Sie ist Professorin für Fotografie in Würzburg und lebt in Berlin.

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