Im Land der Biester: Eine Reise in den Estate of Lynn Chadwick
Im Land der Biester: Eine Reise in den Estate of Lynn Chadwick

Natalie Weiland im Archiv Chadwicks, Foto: Elisa Tamaschke, 2018

Mitte Mai hat die Doppelausstellung „Lynn Chadwick – Biester der Zeit. Lynn Chadwick, Katja Strunz, Hans Uhlmann“ im Georg Kolbe Museum und im Haus am Waldsee in Berlin begonnen. Im Rahmen der Vorbereitungen sind Elisa Tamaschke und ich nach Stroud, ins südwestlich von London gelegene Gloucestershire gereist. Im ehemaligen Atelier von Lynn Chadwick konnten wir zwei Tage für die Ausstellung forschen.

Der Estate of Lynn Chadwick befindet sich in Lypiatt Park, einem 1958 durch den Künstler erworbenes, 90 Hektar große Anwesen mit einem viktorianischen Schloss im neogotischem Stil, das bis zu Chadwicks Tod im Jahr 2003 für ihn Lebens- und Schaffensmittelpunkt war. Heute verwaltet seine Tochter Sarah Chadwick den Nachlass, während das Anwesen von Sohn David bewohnt wird, der ebenfalls Künstler ist. Chadwick hatte sich in einer ehemaligen Scheune ein Atelier eingerichtet. Hier befinden sich heute das Depot mit hunderten von Plastiken, ein Büro und das Archiv. Kunst, Leben und Arbeit vermischen sich heute wie zu Zeiten, als Chadwick noch lebte: über dem großen Schreibtisch hängt ein frühes „Mobile“ von 1952. Neben einem Aktenregal steht eine berühmte Skulptur in der Ecke. Die Atmosphäre ist anders, als in einem aufgeräumten Museum.

Der Nachlass setzt sich aus größeren Skulpturen, kleineren Modellen, Publikationen, Fotos und Zeichnungen zusammen. Wir finden Werkabbildungen, Installationsansichten, offizielle Porträts für Magazine und erhalten durch die Fotos auch einen tiefen Einblick ins private Leben des Künstlers. Sogar Lord Snowdon hat ihn fotografiert. Also kannte Chadwick den Prominentenfotografen, der Lady Di und die Royals fotografierte, weil er mit der Schwester der Queen verheiratet war.

Jeder, der hier auf dem Land für den Estate arbeitet, ist mit großer Leidenschaft dabei. Alle setzen sich ganz und gar für die Aufarbeitung des umfangreichen Nachlasses und die vielen Anfragen für Ausstellungen ein. Durch Sarah Chadwicks Erzählungen wird alles plastischer und wir bekommen einen sehr persönlichen Einblick in die Kindheit während der 1960er Jahre in Lypiatt Park, als man noch auf den Plastiken im Freien klettern durfte. „I want to keep his legacy alive“ sagt Sarah. Sie arbeitet daran, dass das Werk ihres Vaters erhalten und die Diskussion über seine Arbeiten fortlebt.

 Text: Natalie Weiland, wiss. Volontärin Hauses am Waldsee

Lypiatt Park, 2014 , Foto: Jonty Wilde, courtesy of The Estate of Lynn Chadwick and Blain | Southern

Lypiatt Park, 2014 , Foto: Jonty Wilde, courtesy of The Estate of Lynn Chadwick and Blain | Southern

TEILEN