Melanie Manchot

Mit Melanie Manchot hat das Haus am Waldsee eine deutsche Foto- und Videokünstlerin eingeladen, die ihre Bildästhetik in den 90er Jahren in London entwickelt hat. Seit 2005 lebt und arbeitet die international agierende Künstlerin in Berlin.

Als Protagonisten ihrer Projekte agieren anonyme Zeitgenossen der Großstadt. Vor der Kamera berichten Londoner, Moskauer oder Berliner Bürger von persönlichen Erlebnissen, reagieren auf überraschend intime Fragen, sie bleiben an einem Ort für dessen Geschichte stehen oder bauen im öffentlichen Park eigene Fähigkeiten aus. Als einfühlsame Dialogpartnerin arbeitet Manchot das Private im Öffentlichen heraus. Sie informiert mit ihren Bildern über Sehnsüchte, Zustände und Motivationen, wie wir ihnen in Massenmedien und Geschichtsbüchern nicht begegnen.

Die Künstlerin steht mit ihrem bisherigen Œuvre im Kontext neuerer Porträtkunst neben Foto- und Videokünstlerinnen wie Sophie Calle, Janet Cardiff, oder Candice Breitz, die auf andere Weise Einzelschicksalen nachspüren. Manchot übernimmt konsequent die Rolle der Mediatorin und Komplizin. Die Verantwortung für ihre Geschichten überlässt sie vor allem im Video dem Porträtierten und nimmt die eigene Person ganz zurück. Mit diesem auf Partizipation gerichteten Ansatz bewegt sich Manchot unmittelbar im Umfeld der Kollegen Gillian Wearing, Fiona Tan, Phil Collins oder auch von Wolfgang Tillmans.

Die 1966 am Rhein geborene Manchot verließ Deutschland nach dem Abitur in Richtung New York. Nach einem Jahr übersiedelte sie in die britische Hauptstadt. Ausstellungen, Stipendien, Lehraufträge haben Manchot seither in Großbritannien bekannt gemacht. Seit 2001 hat sie ihr Arbeitsfeld bis nach Russland, Indien und Südamerika ausgedehnt. Dabei sind vor allem in Moskau beeindruckende Projekte entstanden, auf die sich unsere Ausstellungen konzentriert und die zusammen mit neueren Arbeiten aus London und Berlin zum ersten Mal in Deutschland vorgestellt werden.