Lesung mit David Wagner „Der vergessliche Riese“
Lesung mit David Wagner „Der vergessliche Riese“

David Wagners neues Buch „Der vergessliche Riese“ geht uns alle an. Es setzt sich mit dem Kipppunkt auseinander, an dem älter werdende Eltern irgendwann auf die Zuwendung ihrer Kinder angewiesen sind, statt umgekehrt. Anlass für das Buch ist die frühe Demenzerkrankung des Vaters des Autors. Nach vielen Jahren der Distanz entdeckt der Sohn den Vater neu. Der erfolgreiche „Riese“ verliert mit 71 Jahren zusehends sein Gedächtnis. Seine drei erwachsenen Kinder umsorgen ihn, als er zum zweiten Mal verwitwet.

Nicht ohne Komik schildert Wagner in seiner alltäglichen, höchst präzisen Sprache Gespräche voller Wiederholungen und Gedächtnislücken. Der Sohn schließt durch eigene Erinnerungen diese Lücken oder lässt sie offen. Im Keller des Einfamilienhauses am Wendehammer kurz vor Bonn begegnet der Protagonist seiner westdeutschen Kindheit der 1970er/80er Jahre: Fonduesets und Soda-Syphons, Golfschläger, ein Weihnachtsbaumfuß, Damenperücken, Diaprojektoren: all dies spricht eine Sprache bürgerlichen Wohlstandes, zu dem selbstverständlich auch die Doppelgarage mit Golf und Mercedes gehört und die als Lebensziel des Glücks nach 40 Jahren längst verblasst sind.

Vor vollem Haus las der Berliner Autor, dessen Werke bei Rowohlt erscheinen, drei von neun Kapiteln. Im Anschluss wurde eher nachdenklich, als heftig diskutiert. Der vergessliche Riese ist bereits für mehrere Preise nominiert.

TEILEN