Videokunstprogramm:  
Veronika Veit „Bunker“ 2017

Veronika Veit „Bunker“ 2017

Veronika Veit, Bunker, FullHD-Film, 12 min, 2017, Standfoto, Foto: Stephan Vorbrugg

Die Videoarbeit Bunker erlaubt Einblick in den streng strukturierten Alltag einer isoliert lebenden Familie mit Vater, Mutter und zwei Kindern. Nur durch äußerste Hygiene und absolut reglementiertes Verhalten erscheint es möglich, auf engstem Raum die Kontrolle zu behalten. Dabei findet die Unterhaltung in Latein statt. Die zu Gehör gebrachte Musik ist klassisch. Was die Münchner Künstlerin Veronika Veit (*1968) 2017 auf den Punkt bringt, ist der mehr und mehr gelebte Traum von Individualität und Selbstbestimmung, der in manchen Teilen der Gesellschaft eine Abgrenzung von der Mehrheit anstrebt. Veit führt dieses neoliberale Verlangen ad absurdum. Sie zeigt, dass diese Haltung in letzter Konsequenz zu entsetzlicher sozialer Isolation führt.

Inzwischen hat die Realität durch die Corona-Krise die Utopie der Kunst eingeholt. Hautnah ist uns 2020 bewusst geworden, wie rasch Gemeinschaft in Isolation kippen kann. Zeichen, die sich vor vier Jahren noch als Kritik einer Wohlstandsgesellschaft lesen ließen sind in der Pandemie in innere und äußere Not umgeschlagen. Während Veit aufrütteln und provozieren wollte, spiegelt ihre Arbeit unter den Bedingungen der jüngsten Vergangenheit Extremsituationen wider, die vom Bunkeralltag des Zweiten Weltkriegs bis zum Leben unter Pandemiebedingungen reichen. Wird sich danach der überlebenswichtige Gemeinschaftssinn einstellen?

Die Arbeit Bunker stand ursprünglich in engem Bezug zu ihrem ersten Spielort auf dem Gelände des Münchner Gasteigs: Im Zweiten Weltkrieg befand sich hier der Tiefbunker LSB12 und neben dem heutigen Konzerthaus der Münchner Bürgerbräukeller. Hier fand 1923 der Hitlerputsch seinen Ausgang und 1939 das versuchte Attentat durch Georg Elsner.

Veronika Veit (*1968), lebt und arbeitet in München. Veit hat von 1989 bis 1995 an der Akademie der Bildenden Künste in München Bildhauerei studiert. Für ihre Objekte, Skulpturen und Installationen, die sie teilweise mit Computeranimationen und Soundeffekten kombiniert, wurde sie 2006 mit dem Bayerischen Staatsförderpreis für Bildende Kunst ausgezeichnet. Während Veit sich in ihren früheren Arbeiten mit Alltagsobjekten auseinandersetzte und dabei die kunsthistorische Frage nach der Beziehung von Abbild und Gegenstand stellte, richtet sie in ihren jüngeren multimedialen Installationen den Blick auf den Menschen. Sie spürt Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Unsicherheiten, Posen oder Eigenheiten nach. Seit 2010 entstehen Videofilme, deren Geschichten anfangs amüsant und unterhaltsam wirken. Dahinter lauert dann aber stets ein gefährlicher, zuweilen unbewusst gewaltsamer Umgang der Menschen miteinander.

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