Valérie Favre

Die serielle Arbeit Valérie Favres reflektiert Konstruktionsprinzipien bildlicher Narration. Die Gemäldeoberfläche wird als Aufführungsort begriffen, an dem sich unterschiedliche Erzählweisen der Malerei inszenieren lassen wie Spielszenen auf dem Theater: Figur und Landschaft, historischer Bezug und freie Fiktion, auch Material und Stil, Formatwahl und Pinselgestus sind hierbei die Bildakteure. Sie spielen eine ihnen zugedachte Rolle. Folgt man Favres Arbeit über die Jahre, so scheint sie in Anlehnung an einen feministischen Konstruktivismus zu argumentieren, dass es solche Rollenzuschreibungen und Rollenrepetitionen seien, die das Bildgeschehen konstituieren und Bilderzählungen tragen. Erst wer diesen Rollen das Drehbuch zu schreiben versteht, ist Bildautor – durchaus im Sinne eines emanzipatorischen Projektes.