Videokunstprogramm:
John Bock „Buhlschaft“ 2020

John Bock „Buhlschaft“ 2020

John Bock, Buhlschaft, 2020, Full HD Video, Farbe, Stereo, 38 Min., Foto: David Schultz

John Bocks Videoarbeit Buhlschaft befasst sich mit dem Herzstück der Salzburger Festspiele, dem Jedermann von Hugo von Hoffmansthal. Dabei konzentriert sich die Performance auf die Figur der Buhlschaft, gespielt von der Berliner Schauspielerin Lea Draeger, und dem Jedermann, den John Bock selbst verkörpert.

Mit Textfragmenten aus dem Originalstück und vom Künstler neugeschriebenen Passagen wird das Stück auf einer Metaebene reflektiert, der Stellenwert des Jedermanns für die Schauspielerei, die Rolle aller Rollen, die nur den aller etabliertesten Schauspielern angeboten wird. Als Pendant dazu die weibliche Hauptrolle, die Buhlschaft, die sich hier nicht mit den im Stücktext vorgesehenen 30 Sätzen abfinden muss, John Bock hat ihr neue hinzugedichtet.

Das Set besteht aus etlichen Objekten, die von den beiden Hauptfiguren zum Einsatz gebracht werden. Somit findet John Bocks Arbeitsweise der Collagierung Anwendung auf die verschiedenen Parameter des bekannten Theaterstücks im Hinblick auf Figur, Text, Kostüm, Requisite und Bühnenbild und lässt ein versatzstückartiges neues Werk entstehen, welches den Jedermann als Phänomen kommentiert, hinterfragt, in neue Richtungen lenkt und ad absurdum führt.

John Bock (*1965 in Gribbohm, Schleswig-Holstein) lebt und arbeitet seit 1997 in Berlin. Zu Anfang für seine spektakulären, komisch-grotesken Vorträge bekannt, erweiterte John Bock seine Ausdrucksformen stetig. Seine skulpturalen Environments zeugen von einer überbordenden Präsenz des Materials und dienen ihm zunehmend als Filmsets, in denen SchauspielerInnen die vielzähligen Objekte zum Leben erwecken. Die BetrachterInnen werden mit einer Überfülle an Bedeutungen konfrontiert, die auch auf der sprachlichen Ebene durch die vom Künstler geschaffenen Wortkreationen mit unzähligen künstlerischen, wissenschaftlichen und biografischen Bezüge versehen sind.

Internationale Einzel- und Gruppenausstellungen hatte John Bock u.a. im Guggenheim Museum, New York, 2015; Kulturhuset Stockholm 2015; Bundeskunsthalle, Bonn, 2013/14; Städel Museum, Frankfurt a.M., 2012; 55. Biennale di Venezia, Venedig, 2013; Barbican Centre, London 2010; Haus der Kulturen der Welt, Berlin, 2009; Documenta 11, Kassel, 2002. 2020 inszenierte John Bock an der Berliner Schaubühne Henrik Ibsens Peer Gynt mit Lars Eidinger in der Titelrolle.

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