Johanna Diehl

Im Winter 2019/20 zeigt das Haus am Waldsee eine erste institutionelle Einzelausstellung mit der vielfach ausgezeichneten Fotokünstlerin Johanna Diehl (*1977) in Berlin. Frei nach Walter Benjamin entwickelt sie ihre Arbeit aus dem Gedanken heraus, dass das Eigentliche der Geschichte in den Falten der Erinnerung steckt. So spürt sie das Verborgene, oft auch Vergessene im jüngeren Gedächtnis Europas auf und findet zu Bildern, die sensibel konstatieren, statt aufzuklären oder zu beeindrucken.

In ihren jüngsten Serien bezieht sich Diehl auf private Biographien der westdeutschen Nachkriegszeit. Dafür hat die Großnichte von documenta-Gründer Arnold Bode Diamagazine, Tagebücher und Archive ihrer Großelterngeneration ausgewertet. Darunter prominente Verleger und Architekten in Kassel. Präzise setzt sie Traumata ins Bild. Ihre Arbeiten handeln von Aufbruch und Schweigen der ersten Dekaden nach 1945 sowie von den seelischen Nachwirkungen der Nazivergangenheit in den Generationen bis heute. Dabei bildet Fritz Zorns Lebensbeichte „Mars“, die Mitte der 1970er Jahre international Aufsehen erregte, eine historische Quelle dafür, wie das Innenleben der jungen Generation damals aussah.